Kreuth startet Waldfestsaison

Der Countdown für das erste Waldfest am Tegernsee läuft. In Kreuth gilt heuer aber eine strenge Sperrstunden-Regelung. Dafür gibt’s einen kostenlosen Shuttlebus nach dem Fest.

Vor allem Jugendliche können den Waldfest-Start am Freitag und Samstag, 16./17. Juni, beim FC Real Kreuth kaum erwarten. Der Ansturm wird auch heuer wieder riesig sein – im vergangenen Jahr kamen rund 5000 Besucher allein am ersten Waldfesttag. Dass das Festende in den frühen Morgenstunden zuletzt nicht immer ganz problemlos ablief, bereitet Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) schon länger große Sorgen. Im vergangenen Jahr kam dazu, dass aufgrund einer technischen Störung ausgerechnet in der Waldfestnacht Kreuth keinen Handyempfang hatte. Mit der Folge, dass Besucher kein Taxi rufen konnten. Viele machten sich zu Fuß auf den Weg Richtung Tal. „Dabei hatten wir ein massives Problem mit Vandalismus“, erinnert sich Bierschneider.

Hinzu kommt eine brutale Gewalttat beim SC-Waldfest, die damals das ganze Tal erschüttert hatte. Zu später Stunde in der Nacht von Freitag, 8. Juli, auf Samstag verprügelten zwei Männer einen 21-Jährigen bis zur Bewusstlosigkeit – und andere sahen zu und filmten das Geschehen, ohne einzugreifen. Erst eine mutige Warngauerin schritt ein.

Es hagelte Beschwerden, und so beschloss er mit dem Gemeinderat, bei den beiden Waldfesten des FC Real Kreuth und des Skiclubs härter durchzugreifen.

Konkret: Um 2 Uhr muss heuer die Musik Feierabend machen, um 2.30 Uhr gibt’s das letzte Getränk an der Bar, um 3 Uhr ist das Fest definitiv beendet.

„Die Begeisterung der Besucher wird sich in Grenzen halten, das ist klar“, sagt Max Breunig (40), Vorsitzender des FC Real Kreuth. „Jetzt ist es so, und wir müssen das Beste daraus machen.“ Natürlich habe er grundsätzlich Verständnis für die Anordnung, die auch von der Polizei kontrolliert wird.

Dass die Gemeinde den Gästen dafür einen kostenlosen Service für den Heimweg anbietet, findet der FC-Chef richtig gut: Ein kostenloser Shuttlebus des RVO, in dem gut 100 Fahrgäste Platz haben, kommt in vier Waldfest-Nächten zum Einsatz. Um 0.30 Uhr, 1.45 Uhr und 3 Uhr fährt er am Waldfestplatz ab ab und lässt die Besucher an zentralen Stellen rings um den See aussteigen. „Der Gemeinderat hat die Kosten für den Bus genehmigt“, berichtet Bierschneider. 800 Euro pro Nacht. Die Kosten für den Einsatz eines Security-Dienstes übernehmen dann jeweils die Vereine. Ein Mitarbeiter soll dabei auch immer im Bus präsent sein. „Wir hoffen, dass es damit heuer gesittet abläuft“, sagt Bierschneider. Die Kosten seien jedenfalls gerechtfertigt, da die Vereine ihre Waldfesteinnahmen für die Jugendarbeit brauchen. Sperrstunden- und Busregelung seien ein Testlauf. Nicht betroffen sind das Waldfest der Hirschbergler (25. Juni) und Leonhardstoana (23. Juli). „Das sind Sonntags-Waldfeste, da geht’s ohnehin gesitteter zu“, so der Rathauschef.

Die Sperrzeit-Debatte ist nicht neu: Schon in der Saison 2012 ordnete die Polizei Bad Wiessee an, dass um 2 Uhr Schluss sein muss – und zwar talweit.Ein Jahr darauf wurde die Regelung wieder aufgehoben, und die Vereine bekamen wieder freie Hand. Für heuer wurde die Sperrstunde bisher offenbar nur für die beiden Kreuther Feste angeordnet. „Bei uns ist seit vielen Jahren um 2 Uhr Schluss, und das klappt auch“, sagt Albert Meier, der als Vorsitzender des Skiclubs Rottach-Egern für eines der größten Waldfeste am See (28./29. Juli) verantwortlich ist. Auch für das Waldfest im Schmetterlingsgarten (14. bis 16. Juli) halten sich die Veranstalter vom SV Tegernsee an bewährte Vorgaben: Um 2 Uhr macht die Musi Feierabend, dann wird der Zapfhahn abgedreht. „Wir halten uns schon daran“, sagt Alexandra Kirmayr vom SVT. „Schon allein, weil der Platz im Schmetterlingsgarten dem Herzoglichen Haus gehört. Da können wir uns Ärger nicht leisten.“

Georg Reisberger, Chef des Skiclubs Ostin, dem Veranstalter des letzten Waldfestes (10. bis 12. August), will die erneute Sperrstunden-Debatte nicht groß kommentieren. „Wir haben für heuer noch keine Genehmigung beantragt, in der die genauen Zeiten festgelegt sind“, meint Reisberger. „Wenn wir sie haben, wissen wir, ob sich auch bei uns was ändert.“

Angeordnet wird die Sperrstunde letztlich von der jeweiligen Gemeinde, so eine Mitarbeiterin des Landratsamts Miesbach. Kreuth hat seine Entscheidung für heuer getroffen.

Quelle: merkur-online.de, Text: Gerti Reichl

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